56. Stuttgarter Antiquariatsmesse

Vom 27. bis 29. Januar 2017 im Württembergischen Kunstverein

Vom Ablassbrief bis zum Papiertheater – Bibliophile Schätze aller Art

// AUF EINEN BLICK //

Das größte Schaufenster für wertvolle Objekte des Antiquariats- und Graphikhandels in Deutschland ist die jährlich Ende Januar stattfindende Stuttgarter Antiquariatsmesse.

Organisiert vom Verband Deutscher Antiquare präsentieren 72 Aussteller, davon 16 aus dem Ausland bibliophile Erstausgaben und Autographen, Inkunabeln und Frühdrucke, prachtvoll illuminierte Handschriften, Originalgraphik alter Meister, Künstlerbücher und Pressendrucke, bedeutende Werke aus den Geistes- und Naturwissenschaften, Reisebücher, Stadtansichten und Karten, Fotografien, Kinderbücher und schön illustrierte Ausgaben jeder Art.

Die Messe fasziniert in jedem Jahr durch die Vielfalt des Angebots vom originellen Einzelstück bis zum Millionenobjekt, Preziosen vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Die 72 Antiquare aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz garantieren ein hochkarätiges und vielfältiges Angebot bei dieser international wichtigsten Messe im deutschsprachigen Raum.

Sieben Antiquare sind zum ersten Mal dabei: die Galerie Joy aus Boppard, Peter Fritzen aus Trier,  das Antiquariat Knöll aus Lüneburg, Kunkel Fine Art aus München und die Ukiyo-e-Gallery von Hannspeter Kunz aus Sigmaringen. Neue Aussteller aus dem Ausland sind Robert Frew, London, spezialisiert auf Reisen, Landkarten, Grafik und Einbände sowie L’Arengario Studio Bibliografico (Paolo und Bruno Tonini) aus Gussago (Brescia) in Italien, die sich auf Avantgarde, moderne Architektur und Künstlerbücher konzentrieren.

Die 56. Stuttgarter Antiquariatsmesse findet vom 27. bis 29. Januar 2017 im Württembergischen Kunstverein am Schlossplatz statt.

Die Öffnungszeiten sind: Freitag, 27. Januar: 11 Uhr bis 19.30 Uhr, Samstag und Sonntag, 28. und 29. Januar: 11 Uhr bis 18 Uhr.

Der Eintritt kostet € 5, Kinder bis 12 Jahre haben freien Eintritt. Das Kombiticket berechtigt gleichzeitig für die 31. Antiquaria in Ludwigsburg.

Für interessierte Besucher, insbesondere Jugendliche, werden Führungen angeboten, bei denen Aussteller besonders schöne Exponate und deren Provenienz vorstellen.

Der Messekatalog ist beim Verband Deutscher Antiquare für € 10 erhältlich, außerdem im Internet abrufbar (→www.stuttgarter-antiquariatsmesse.de). Dort stehen auch Informationen und Fotos zum Download bereit.

 

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»Schön, schöner, am schönsten!«
Die diesjährige gemeinsame Auftaktveranstaltung der 56. Stuttgarter Antiquariatsmesse und der 31. Antiquaria Ludwigsburg ist anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens der Stiftung Buchkunst gewidmet. In ihrem Vortrag  am Montag, 23. Januar um 20 Uhr im Literaturhaus Stuttgart gibt Katharina Hesse, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, einen Einblick über deren Wirken seit einem halben Jahrhundert, beginnend mit dem Zweck der Stiftung über die Arbeit der unabhängigen Fachjurys und die Kriterien für auszeichnungswürdige Bücher.

»Im Zeichen des Wassermann«
Die Ausstellung zu Buchkunst und Typographie von F. H. Ernst Schneidler ist von Angela Zieger und Anne-Katrin Koch, Mitarbeiterinnen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart, gestaltet und von Freitag bis Sonntag in den Räumen der Messe zu sehen.

»Buch.Kunst.Schrift«
Im Anschluss an die Messe lädt der Verband Deutscher Antiquare am Samstagabend um 18.30 Uhr zum Vortrag von Prof. Dr. Nils Büttner, Leiter der Kunstsammlung und des Archivs der Akademie, ein. Mit musikalischer Umrahmung und Buffet. Eintritt frei.

»Handbuch 2017/2018«
Der redaktionelle Teil ist im Zusammenhang mit der diesjährigen Ausstellung dem Thema Typographie gewidmet: »100 Jahre Schrift in Stuttgart«. Der bedeutende Buchkünstler und Schriftentwerfer F. H. Ernst Schneidler wird in zwei Essays von Angela Zieger und Anne-Katrin Koch gewürdigt. Die Geschichte der sogenannten Stuttgarter Schule lässt der langjährige Werkstattleiter der Kunstakademie, Horst Wöhrle, Revue passieren. Kurt Weidemann kommt mit seinen Ansichten und Thesen über Typographie zu Wort und Stefanie Schwarz stellt ihre 2015 entwickelte Schrift »Weissenhof grotesk« vor.
Verband Deutscher Antiquare e. V., 2017


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// EIN RUNDGANG //

Das Angebot der 56. Stuttgarter Antiquariatsmesse richtet sich an jeden Geschmack, jedes Sammelinteresse und jeden Geldbeutel – auch im dreistelligen Eurobereich findet sich eine große Anzahl von Angeboten: literarische Erstausgaben, vielleicht sogar mit Widmung, reizvolle Kinderbücher, dekorative Stadtansichten, spannende Reiseberichte oder Künstlerbücher.
Eine kleine, durchaus repräsentative Auswahl aus mehreren hundert Exponaten zu verschiedenen Gebieten, die im Katalog angezeigt werden, finden Sie hier.

Sieben neue Aussteller
Mit einer äußerst interessanten Angebotspalette stellen sich die sieben neuen Teilnehmer bei der diesjährigen Messe vor. Großformatige Fotografien aus Venedig, aufgenommen von Giuseppe Cimetta um 1850 (€ 5500,-) bringt Robert Frew aus London mit nach Stuttgart; Peter Fritzen aus Trier einen Ablassbrief »zum Besten des Kampfes gegen die Türken«, gedruckt 1482 in München und wohl der einzige xylographische Einblattdruck, über dessen Echtheit deshalb schon heftig gestritten wurde (€ 8000,-). Das L’Arengario Studio Bibliografico aus Brescia ist auf das 20. Jahrhundert spezialisiert, unter anderem auf Künstlerbücher. Der Katalogbeitra steht unter dem Motto »in square form«: »This is tomorrow« ist der Katalog einer bedeutenden Ausstellung zum Thema der Artists’ Books aus London von 1956 (€ 1200,-); die Ukiyo-e-Gallery von Hannspeter Kunz in Sigmaringen widmet sich den japanischen Farbholzschnitten (zwischen € 150,- und € 2200,-), während der Schwerpunkt von Kunkel Fine Art in München europäische Zeichnungen des 19. und 20. Jahrhunderts sind: ein Hingucker ist Anselm Feuerbachs Kreidezeichnung »Lesbia mit dem Vogel«, um 1866 in Italien entstanden (€ 55 000,-).

Für Weltreisende von großem Reiz ist sicher die Erstausgabe des Entdeckungsberichtes von Otto von Kotzebue und Adelbert von Chamisso über ihre Fahrt in die Südsee und die Beringstraße, im Angebot der Galerie Joy aus Boppard (€ 7800,-). Norbert Knöll aus Lüneburg bringt eine Auswahl schöner Widmungsexemplare mit nach Stuttgart, darunter Werke von Elias Canetti, Karl Kraus, Oskar Loerke oder Fernando Pessoa (€ 480,- bis € 2400,-).

Eine Biblia Pauperum, Martin Luther und die Reformation
Vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, soll Martin Luther laut der Legende seine Thesen an die Kirchentür von Wittenberg genagelt haben, fest steht jedoch, dass er sich in Predigten gegen den Ablasshandel ausgesprochen und seine Thesen publiziert hat. 1518 erschien in Basel  »EJn Sermon oder Predig von dem ablasz vnd gnade durch den wirdigen doctorem Martinum Luther Augustiner zu wittenbergk gemacht vnd geprediget«, eine frühe Ausgabe seiner wichtigsten Lehraussagen, die das Stuttgarter Antiquariat auf der Messe für  € 16 000,- anbietet. Desweiteren gibt es dort eine Erstausgabe der gereimten Klage Ulrich von Huttens über den Niedergang der Kirche sowie bei Fritzen und Geisenheyner Ablassbriefe.

Wie schon so oft hat Heribert Tenschert / Bibermühle das teuerste Objekt der Messe im Angebot, eines von drei kompletten Exemplaren der »Biblia Pauperum« aus privater Provenienz und bestens erhalten. Neben vielem anderen ist die »internationale Produktion« dieser Bilderbibel bemerkenswert: die Holzstöcke stammten aus den Niederlanden, das Papier aus Italien, gedruckt wurde um 1464/65 in Süddeutschland (vermutlich Nördlingen oder Nürnberg). Und der vergoldete Maroquineinband wurde um 1820 von Charles Lewis in England angefertigt, samt Ganzgoldschnitt (€ 1 850 000,-).

Unikate: Briefe und Stammbücher
In unserem digitalen Zeitalter sind wir von Handschriftlichem fasziniert. Eine große Auswahl von Autographen, Skizzen- und Stammbüchern findet sich im Messekatalog:
Theodor Storm schrieb im Herbst 1873 einen langen, väterlich-mahnenden Brief an seinen dritten Sohn, der in Leipzig Musik studierte, in dem er aber auch seine Geldsorgen thematisierte (bei Knöll für € 3800,-).
Ein dicht besetztes Studentenstammbuch mit zahlreichen, zum Teil galanten und erotischen Beiträgen, Gedichten etc. in Deutsch, Lateinisch und Französisch bietet Köstler aus Tutzing für € 2000,- an. Es gehörte dem Nürnberger Conrad Friedrich Daumiller, stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und enthält 290 Eintragungen, zum Beispiel solche: »Ein Buch ein Freund ein Glas ein wol gebiltes Weib | Sind der Galanten Welt Vergnügter Zeitvertreib.«
Eine ganz andere Art von »Album amicorum« bringt Banzhaf aus Tübingen mit: ein Album mit über 150 gezeichneten Porträtsilhouetten von Männern und Frauen, Knaben und Mädchen, entstanden in der Umgebung von Magdeburg im ausgehenden 18. Jahrhundert (€ 11 000,-).
Ein umfangreiches Konvolut mit Autographen, Dokumenten und Widmungsexemplaren des Bildhauers Georg Kolbe, gerichtet an den Freund Hermann Lemperle, der als »Zehnkampfmann« Modell gestanden hatte, bietet das Antiquariat Engel & Co für € 4500,- an.
Ein gutes halbes Jahrhundert zuvor existierte die Ateliergemeinschaft zwischen Hans Thoma und Wilhelm Steinhausen im Frankfurter Westend. Die von Thomas Hatry für € 28 000 Euro angebotene Sammlung enthält von beiden Künstlern Porträts, Graphik, Bücher, Briefe etc.
Franz Siegle bietet ein Album mit 100 eingeklebten Bleistiftzeichnungen und Tintenskizzen an, die der Stuttgarter Bildhauer und Dannecker-Schüler Georg Konrad Weitbrecht zwischen 1820 und 1836, teils auf seiner Italienreise angefertigt hat (€ 6500,-).


Musikalien: Volkslieder und die allererste Oper
Ihren letzten vollständigen Zeichnungs-Zyklus hat die österreichische Künstlerin Martha Griebler 2005 dem Komponisten Franz Schubert gewidmet: 66 Blätter in Bleistift und Aquarell zeigen sie als einfühlsame und treffende Porträtistin, bei Emanuel von Baeyer für € 12 500,-.
Der früheste bekannte Druck des Weihnachtslieds »Stille Nacht, heilige Nacht« von Joseph Mohr und Franz Gruber, 1818 in der Dorfkirche von Oberndorf bei Salzburg erstmals aufgeführt, ist lediglich in zwei Exemplaren nachweisbar und beim Wiener Antiquariat Löcker für € 38 000,- zu haben.
Ein eigenhändiges Musikmanuskript, datiert und signiert von Felix Mendelssohn Bartholdy 1839 bringt die Autographenhandlung Stargardt mit: Es ist die Reinschrift eines am selben Tag komponierten Volksliedes »Es ist bestimmt in Gottes Rath …« (€ 32 000,-).
Als ein Rarissimum bezeichnet das Antiquariat Voerster den Halbpergamentband von 1600, der die erste Oper der Musikgeschichte und zugleich das erste gedruckte Opernlibretto (von Ottavio Rinuccini) enthält, die originale Komposition zu »La Dafne« ist leider verschollen (€ 7000,-).
Auch Michael Raab aus München ist auf Musik spezialisiert, unter anderem bietet er ein Manuskript der Sängerin und Komponistin Pauline Viardot an: Koloraturen, Kadenzen und Verzierungen für zahlreiche Opernpartien, signiert und datiert 1843 (€ 7500,-).
Skizzen für Kostüme und Dekorationen zur Dresdner Uraufführung des »Rosenkavalier« von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss hat Alfred Roller, einer der Mitbegründer der Wiener Sezession, angefertigt, die Mappe erschien 1910 in Berlin und kostet beim Amsterdamer Antiquariat Die Schmiede € 5500,-.

Für Liebhaber schöner Literatur
Am Stand von Herbert Blank kommen literaturbegeisterte Leserinnen und Leser auf ihre Kosten: E.T.A. Hoffmann, Franz Hessel, Ernst Jünger, Franz Kafka, Else Lasker-Schüler, Rainer Maria Rilke, Anna Seghers und Robert Walser sind in gewohnt erlesenen Ausgaben vorhanden. Seine beiden seltensten und mit € 28 000,- teuersten Exponate sind der erste Druck der ersten Ausgabe von Goethes Schauspiel »Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand« von 1773 und die Erstausgabe von Thomas Manns Novelle »Der Tod in Venedig«, 1912 im Münchner Hyperionverlag in 100 nummerierten Exemplaren erschienen.
Ausgaben von Friedrich Hölderlin – dessen 250. Geburtstag bereits seinen langen Schatten voraus wirft – werden einige angeboten, darunter vom Antiquariat Fons Blavus die 1826 bei Cotta erschienene erste Gedichtausgabe, die Gustav Schwab und Ludwig Uhland besorgten (€ 7000,-).

Naturkundliches und Reiseberichte
Auf großes Interesse im Antiquariatshandel stoßen seit mehreren Jahren naturkundliche Themen und Reiseberichte: vielfach prachtvoll illustriert und spannend in ihrer Zeitbezogenheit.

Die »Naturgeschichte der Vögel Deutschlands« von J. A. und J. F. Naumann in einem seltenen Exemplar mit den kolorierten Kupfertafeln auf starkem Karton in vier Kassetten und 13 Textbänden, die von 1822 bis 1860 in Leipzig und Stuttgart erschien, ist beim Antiquariat Neidhardt zu bewundern und für € 28 000,- zu erstehen.
Etwa gleichzeitig entstanden die »Zoological Illustrations« von William Swainson, allerdings bereits in der Lithographie-Technik; gezeigt werden Vögel, Schmetterlinge und Muscheln aus Südamerika, der Südsee und Australien, vielfach zum allerersten Mal – beim Tresor am Römer für € 11 000,-.
Die auf Literatur von, über und für Frauen spezialisierte Antiquarin Inge Utzt bietet fünf Reisebücher von Ida Pfeiffer geb. Reyer an, die erst mit Mitte Vierzig von Wien aus auf Weltreise ging, buchstäblich: Sie besuchte Skandinavien und Island ebenso wie Kalifornien, Brasilien und Peru, Singapur, Borneo, Java und Sumatra oder Kleinasien, Persien und Indien. Mit ihren spannend zu lesenden Berichten konnte sie damals ihre Reisen überhaupt nur finanzieren (€ 450,- bis € 960,-).

Frühe und ungewöhnliche Fotografien
Frühe Fotografien von fremden Ländern und Völkern sind begehrt und teuer. Das österreichische Antiquariat Kainbacher hat gleich mehrere derartige Konvolute im Angebot: A. Salzmanns Salzpapierabzüge von Aufnahmen aus Jerusalem, entstanden um 1850 (€ 70 000,-), und W. Ellerton Frys über 150 Original-Fotografien der Ruinen von Zimbabwe und der Entstehung von Fort Salisbury, dem heutigen Harare. Dieses Dokument afrikanischer Geschichte stammt von 1890 (€ 40 000,-).
Einer der berühmtesten Orientfotografen des 19. Jahrhunderts ist Wilhelm Hammerschmidt, dessen Album mit 48 Carte de Visite-Fotografien mit Landschaften und Genrebildern von 1864 Carlsen aus Kiel mitbringt (€ 1800,-).
Einen Querschnitt durch die Wiener Bevölkerung vom einfachsten Bürger bis zum höchsten Regierungsmitglied zeigen die 58 Original-Fotografien des Wieners Ludwig Grillich, die in ein Album zur Goldenen Hochzeit des Erzherzogs Rainer von Österreich 1902 eingeklebt wurden, Matthäus Truppe aus Graz bietet es für € 8500,- an.
Vermutlich einer der meistfotografierten Dichter des frühen 20. Jahrhunderts ist Hermann Hesse, besonders auch dank seines Sohnes Martin: eines seiner schönen Porträts mit Signatur »Gruss von H. H.« ist bei Heckenhauer für € 480,- zu erwerben.

Dekorative Grafik und Zeichnungen
Einen stimmungsvollen Blick von der Empore in die Herzogin Anna Amalia Bibliothek 1998, einige Jahre vor dem verheerenden Brand, zeigt die Bleistiftzeichnung von Rolf Escher, beim Kunsthandel Fichter für € 2600,-; eine sechsteilige Radierfolge von Friedrich Meckseper zu den Nobelpreisen gibt es bei der Kunsthandlung Goyert für € 1350,- und ein hübsches kleines Aquarell »Im Park« von Emil Orlik bei der Galerie Vömel für € 3800,-.
Die Stuttgarter Galerie Valentien hat sich in ihrem Katalogbeitrag ganz auf Gerd Arntz spezialisiert, den »Kölner Progressiven« mit seinen unverwechselbaren figurativ-konstruktivistischen Bildgeschichten über die sozialen Umbrüche der 1920er und 1930er Jahre. Die beiden kolorierten Holzstöcke – »Krise« und »Der Streik« können für jeweils € 36 500,-, Holzschnitt und Holzstock »Show« nur zusammen für € 39 000,- erworben werden.
Daniela Kromp hat ihr Angebot unter das Thema »Gezeichnete Helden (und eine Heldin)« gestellt: die Blätter zeigen Orpheus in der Unterwelt (von M. R. O. Kuschel), Don Quixote (von O. Schubert), Ossian (in Öl von J. J. Schindler), Candide (von N. Tealby) und Wilhelm Tell in einem anonymen Aquarell. Von dem Wiener Künstler Ernst Pessler stammen zwei Kreidezeichnungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die die Heldin in zwei entscheidenden Momenten darstellen: »Der Spindelstich« und »Dornröschens Erwachen« (€ 5000,-).

Wenn das Äußere das Innere überstrahlt – Einbandkunst
Auch besonders schöne Einbände sind ein Sammelgebiet. Fündig wird man etwa beim Antiquariat Büchel-Baur aus Winnenden und einem raren Holzschnittbuch von Giovanni Boccaccio, dessen prachtvoller Wappeneinband des Pariser Buchbinders Gruel über 300 Jahre jünger ist als der ebenfalls reichhaltige Inhalt (€ 34 000,-) oder beim Wiener Burgverlag. Er bietet Senecas Werke mit Einbandmalerei im Stil der italienischen Spätrenaissance für € 2500,- an.
Einen ungewöhnlich attraktiven Intarsien-Einband aus poliertem grünen Kalbsleder hat Walter Gerlach 1923 für Rainer Maria Rilkes Insel-Band »Der neuen Gedichte anderer Teil« angefertigt, für sich selbst – Tusculum Rare Books bringt den Band aus London mit und möchte dafür  € 6900,- erlösen.

 

Für Kinder, aber auch für Erwachsene
Neben einer Reihe hübscher und ungewöhnlicher Kinderbücher bringt Geisenheyner aus Münster ein großes Puppenspielhaus aus der Gründerzeit mit; chromolithographiert sind die aufklappbaren drei Bühnen mit Küche, Wohn- und Schlafzimmer ebenso wie die Aufstell- und Steckfiguren. Bei dem guten Erhaltungszustand wurde offenbar nicht viel damit gespielt (€ 3400,-). Das gilt auch für mehrere Papiertheater bei Haufe & Lutz: sie stammen von 1740 – »Ein Garten« –, beziehungsweise von 1820 – »Das Schattenspiel aus Kinderland« – oder 1899 – »Das neue Nürnberger Schattentheater« (€ 1400,- bis € 4500,-).
Sabine Keune hat dieses Mal vorwiegend Kinderbücher des 20. Jahrhunderts dabei, zum Beispiel Warren Chappels »They Say Stories« mit beiliegenden Tuschezeichnungen und handschriftlichem Text, die während der Arbeit entstanden (€ 640,-). »Ein unverwüstliches Bilderbuch, geziert mit manchem Fibelspruch!« verspricht der Einbandtitel, die Tafeln nach Art des Wedgewood-Porzellans zeigen Darstellungen von Tieren und Pflanzen und sind vor allem wegen der ungewöhnlichen Kombination aus Buch- und Steindruck, Prägedruck, Blindprägung und Papiermaché-Technik bemerkenswert, bei Knigge für € 1800,-.

Besonderheiten auf Papier: Exlibris, Plakate, Theaterzettel
67 mehrfach gefaltete Plakate und 54 große Programmzettel zu Aufführungen des Circus Renz im Sommer 1877 in München bietet Manfred Nosbüsch für € 4000,-.
Eine außergewöhnliche, wohl lückenlose Sammlung von ca. 8700 Theaterzetteln des Münchner »Königlichen Hof- und Nationaltheaters« aus den Jahren 1827 bis 1874, darunter auch die Uraufführungszettel zu einigen Wagner-Opern, hat Rainer Schlicht aus Berlin für € 60 000,- im Angebot.
Und der Wiener Burgverlag bringt 22 Buchschachteln mit, voll mit 2400 Exlibris und anderen Gelegenheitsgrafiken – so sachkundig archiviert und geschmackvoll aufbewahrt findet sich Derartiges wohl nur bei einem Buchbinder! (€ 18 000,-).

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// RUND UM DIE ANTIQUARIATSMESSE //

Veranstaltungskalender

Die gemeinsame Auftaktveranstaltung der Stuttgarter Antiquariatsmesse und der Antiquaria Ludwigsburg ist anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens der Stiftung Buchkunst gewidmet: »Schön, schöner, am schönsten«
In ihrem Vortrag gibt Katharina Hesse, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, einen Einblick über deren Wirken seit einem halben Jahrhundert, beginnend mit dem Zweck der Stiftung über die Arbeit der unabhängigen Fachjurys und die Kriterien für auszeichnungswürdige Bücher bis zu deren öffentlicher Präsentation.
Anhand ausgewählter prämierter Werke der Ausstellung »50 Jahre – 50 Bücher« gibt sie Einblicke in die Veränderungen der Buchkunst, erläutert Trends und die Bedeutung von technischen Innovationen bei der Gestaltung und Produktion der schönen Bücher. Fast 800 Titel aus allen Genres wurden von den Verlagen für den Wettbewerb 2016 eingereicht, 25 davon als »schönste deutsche Bücher« prämiert. Es sind jeweils fünf Werke aus den Bereichen Literatur, Sachbuch und Wissenschaft, Kunst-, Foto-, Ausstellungskataloge, Kinder- und Jugendbücher sowie Ratgeber, die als vorbildlich gelten, Zeichen setzen und Strömungen auf dem aktuellen Buchmarkt zeigen.
Montag, 23. Januar 2017, 20 Uhr, Literaturhaus Stuttgart

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Ausstellung und Vortrag

F. H. Ernst Schneidler als Buchgestalter, Typograph und Lehrer
Als Friedrich Hermann Ernst Schneidler (1882–1956) im Oktober 1920 mit 38 Jahren durch Bernhard Pankok an die Württembergische Kunstgewerbeschule Stuttgart berufen wurde, war er bereits als renommierter Grafiker, Buchkünstler und erfahrener Lehrer bekannt. Der Eugen Diederichs Verlag in Jena hatte Schneidler auf Empfehlung F. H. Ehmckes als Buchgestalter verpflichtet und seine künstlerische Ausstattungen für Hauptwerke des Verlages in den Jahren 1912 bis 1914 waren in der Fachpresse hochgelobt worden. Parallel dazu begann Schneidler, der sich seit den Tagen seines Wirkens  in der Steglitzer Werkstatt in Berlin dem Schreiben und der Schrift verbunden fühlte, mit der Entwicklung seiner ersten Druckschriften. Die Professur an der Württembergischen Kunstgewerbeschule, die gleichzeitig die Leitung der Druck- und Buchbindewerkstätten mit ihren hervorragenden Werkstattlehrern beinhaltete, ermöglichte ihm die Gründung einer eigenen Presse. Zwischen 1921 und 1926 erschienen in Schneidlers  Juniperuspresse  25 Drucke, die er gemeinsam mit ausgewählten Studierenden realisierte. Umfangreichstes Projekt seiner Stuttgarter Lehrtätigkeit war jedoch Der Wassermann, eine Sammlung von Beispielen zur Lösung verschiedenster grafischer Aufgaben. Das vier Kassetten umfassende Kompendium mit ca. 700 Blättern entstand als Gemeinschaftsunternehmen seiner sogenannten »Stuttgarter Schule« mit Hilfe seiner Fachlehrer und einer ganzen Reihe von sehr guten Studentinnen und Studenten. Nicht wenige von ihnen waren in der Folge selbst als Professoren an verschiedenen Hochschulen in Deutschland erfolgreich.

»Im Zeichen des Wassermann«
Die Ausstellung zu Buchkunst und Typographie von F. H. Ernst Schneidler ist von Angela Zieger und Anne-Katrin Koch, Mitarbeiterinnen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart, gestaltet.
Freitag bis Sonntag, 27. bis 29. Januar 2017, in den Räumen der Messe

»Buch.Kunst.Schrift«
Im Anschluss an die Messe lädt der Verband Deutscher Antiquare am Samstagabend zum Vortrag von Prof. Dr. Nils Büttner, Leiter der Kunstsammlung und des Archivs der Akademie, ein. Musikalische Umrahmung:  Eintritt frei.
Samstag, 28. Januar 2017, 18.30 Uhr, Württembergischer Kunstverein

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»Handbuch 2017/2018«
Der redaktionelle Teil ist dem Thema Typographie gewidmet: »100 Jahre Schrift in Stuttgart«. Der bedeutende Buchkünstler und Schriftentwerfer F. H. Ernst Schneidler wird in zwei Essays von Angela Zieger und Anne-Katrin Koch gewürdigt. Die Geschichte der sogenannten Stuttgarter Schule lässt der langjährige Werkstattleiter der Kunstakademie, Horst Wöhrle, Revue passieren. Kurt Weidemann kommt mit seinen Ansichten und Thesen über Typographie zu Wort und Stefanie Schwarz stellt ihre 2015 entwickelte Schrift »Weissenhof grotesk« vor.
Herausgegeben vom Verband Deutscher Antiquare e. V., 2017 und kostenlos erhältlich.

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Kultur.JUGEND – Wir kümmern uns um den Nachwuchs
Junge Leute und altes Buch. Das passt doch gar nicht zusammen! Wir sehen das anders und bieten Studentinnen und Studenten der Stuttgarter »Hochschule der Medien« eine Führung ausschließlich für sie. Einige Kollegen stellen ihnen besondere Bücher aus ihrer Messeauswahl vor. Weitere Schüler- oder Studentengruppen sind nach Absprache herzlich willkommen.
Treffpunkt Samstag, 28. Januar 2017, 16 Uhr, Informationsstand des Verbands Deutscher Antiquare e.V.
 
Kultur.LIVE – Führungen über die Antiquariatsmesse
Führungen über die Messe für interessierte Besucher. Die Aussteller zeigen ihre bemerkenswertesten Exponate und schönsten Stücke, bei denen mancher Büchersammler sagen wird: DAS muss ich haben!
Treffpunkt Samstag und Sonntag, 28. und 29. Januar 2017, 15 Uhr, Informationsstand des Verbands Deutscher Antiquare e.V.


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// VERANSTALTER / MESSEORGANISATION //


Verband Deutscher Antiquare e.V.
Vorsitzende: Sibylle Wieduwilt

Kontakt
Geschäftsstelle: Norbert Munsch
Seeblick 1
56459 Elbingen
Tel.: 06435-909147
Fax: 06435-909148
E-Mail: munsch[at]antiquare[dot]de

Pressereferentin: Irene Ferchl
Burgherrenstraße 95
70469 Stuttgart-Feuerbach
Tel.: 0711 / 814 72 83
Fax: 0711 / 814 74 67
E-Mail: ferchl[at]antiquare[dot]de

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Die Messe im Internet
Alle Informationen rund um den Verband, die Stuttgarter Antiquariatsmesse, den Messekatalog, die Highlights und die Rahmenveranstaltungen 2017 finden Sie unter → www.stuttgarter-antiquariatsmesse.de und → www.antiquare.de. Das Online Presseforum bietet neben allen relevanten Daten und Fakten auch Pressefotos in Druckqualität zum Download.

 

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// AUSSTELLER //

 

Aix-La-Chapelle, Aachen

Baeyer, Emanuel von, London (GB)

Banzhaf, Michael, Tübingen

Berg, Reinhold, Regensburg

Bibermühle – Tenschert, Ramsen (CH)

Blank, Herbert, Stuttgart

Boerner, C. G., Düsseldorf

Büchel-Baur, Winnenden

Burgverlag, Wien (A)

Carlsen, Holger, Kiel

Donhofer, Norbert, Wien (A)

Eckert & Kaun, Bremen

Engel & Co., Stuttgart

Fichter, H. W., Frankfurt am Main

Fons Blavus, Renningen

Forum, ‘t Goy-Houten (Utrecht) (NL)

Frew, Robert, London (GB)

Fritzen, Peter, Trier

Galerie Joy, Boppard

Geisenheyner, Winfried, Münster-Hiltrup

Goyert, Köln

Haas, Norbert, Bedburg-Hau

Hatry, Heidelberg

Haufe & Lutz, Karlsruhe

Heckenhauer, J. J., Tübingen

Hohmann, Schemmerhofen

Kainbacher, Dr. Paul, Baden bei Wien (A)

Keune, Sabine, Aachen

Kiefer, Peter, Pforzheim

Klittich-Pfankuch, Braunschweig

Knigge, Meinhard, Hamburg

Knöll, Norbert, Lüneburg

Köstler, Eberhard oHG, Tutzing

Kromp, Daniela, München

Kunkel Fine Art, München

L’Arengario, Gussago (Brescia), (I)

Laube, August, Zürich (CH)

Lindner, Hans, Mainburg

Linke, Günter, Berlin

Löcker, Wien (A)

Mayfair Books, London (GB)

Moritzberg, Hildesheim

Müller & Gräff, Stuttgart

Müller, Johannes, Salzburg (A)

Neidhardt, F., Böblingen

Nosbüsch, Manfred, Euskirchen-Kuchenheim

Raab, Dr. Michael, München

Reiss & Sohn, Königstein im Taunus

Schlicht, Rainer, Berlin

Schmidt & Günther, Kelkheim

Die Schmiede, Amsterdam (NL)

Schmitz, Hans-Martin, Köln

Schreyer, Hanno, Bonn

Seidel + Richter, Fürstenberg/Havel

Siegle, Franz, Mühlhausen/Kraichgau

Solmi, Giuseppe, Ozzano dell’Emilia (I)

Stargardt, J. A., Berlin

Strehler, Sindelfingen

Strobel, Christian, Irsee

Struck, Nikolaus, Berlin

Stuttgarter Antiquariat, Stuttgart

Trauzettel, Günther, Stolberg

Tresor am Römer, Frankfurt am Main

Truppe, Matthäus, Graz (A)

Turszynski, Uwe, München

Tusculum, London (GB)

Ukiyo-e-Gallery, Sigmaringen

Utzt, Inge, Stuttgart

Valentien, Stuttgart

Voerster, J., Stuttgart

Vömel, Düsseldorf

Zipprich, Dieter, Bamberg

 

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Verband Deutscher Antiquare e.V.

Geschäftsstelle: Norbert Munsch
Seeblick 1, 56459 Elbingen
Fon +49 (0)6435 909147
Fax +49 (0)6435 909148
E-Mail buch[at]antiquare[dot]de