Schöne Bücher hoch im Kurs

Exzellente Verkäufe auf der 51. Stuttgarter Antiquariatsmesse

STUTTGART 29. Januar 2012 - Bibliophile Raritäten erweisen sich in weltwirtschaftlich turbulenten Zeiten als wertbeständig. Auch in ihrer 51. Ausgabe schließt die Stuttgarter Antiquariatsmesse nach drei ereignisreichen Tagen am Sonntagabend mit einem überaus positiven Gesamtergebnis. Nahezu alle der 80 Aussteller aus Europa und den USA zeigen sich nach drei anregenden Messetagen und mit fünf- und sechstelligen Verkaufserlösen höchst zufrieden mit dem Messeverlauf.

Vor allem zur Eröffnung am Freitag, 27. Januar um 11 Uhr, herrschte hoher Andrang an den Ständen. „So etwas habe er noch nicht erlebt“, kommentierte der Budapester Antiquar Adam Bösze, der das erste, „aber sicher nicht das letzte Mal“ in Stuttgart ausstellte. Das hochwertige Angebot des Messekataloges zog eine Vielzahl von Händlern aus Europa und Übersee in den Württembergischen Kunstverein. Aber auch die Institutionen – Bibliotheken, Museen und Archive – zählen 2012 wieder zu den eifrigen Käufern. So nimmt es nicht Wunder, dass einige Highlights des Messekataloges – etwa Napoleons Ossian-Ausgabe (Fons Blavus 150.000 €) oder De Brys „Collectiones Peregrinatium“ (Patzer & Trenkle 90.000 €) auf erhebliches Interesse. Nicht minder zufrieden bewertete Heribert Tenschert den Messeverlauf, zumal sein hochkarätiges Angebot früher Pergamenthandschriften und Pergamentdrucke Händler und Privatkunden an den Stand des Antiquariats Bibermühle lockte.

Beim Losverfahren um die begehrtesten Titel aus dem Messekatalog ging es wie gewohnt heiß her. Das Losglück musste unter anderem bei Remarques „Im Westen nichts Neues“ (Ahnert 1200 €), Kiesers „Todten Danz“ (Braecklein 12.000 €), dem Bauhaus-Spiel „Der große und der kleine Klaus“ (Haufe & Lutz 1.200 €) und Leibniz’ „Theodicée“ (Schlicht 11.500 €) entscheiden, wer der nächste glückliche Besitzer werden würde. Sabine Keune verkaufte in den ersten Messeminuten den Biedermeier-Nähkasten samt Miniaturbüchern (3.600 €), Eberhard Köstlers reizvolles Gästebuch und Freundschaftsalbum der russischen Avantgarde fand gleichfalls einen Interessenten (12.000 €). An Hexerei grenzte es beim Antiquariat Loecker, der für alle von ihm angebotenen Titel zur Geschichte der Zauberei samt Zauberrollen (5.600 €) und Guazzos „Compendium maleficarum“ (6.000 €) Käufer aus dem In- und Ausland fand.

In Stuttgart gebe es, so Günter Linke, ein anspruchsvolles Stammpublikum von Buch- und Kunstinteressierten, weshalb sich Avantgarde, Surrealismus und Moderne, ergänzt Christof Groessl, hier „sehr gut verkaufen“ lasse. Linke konnte schon in den ersten Verkaufsstunden das Kunstmagazin RAY (9.800 €) an einen Privatkunden abgeben, beim Roten Antiquariat zählten Beckmanns und Pechsteins Werke (12.500 €) zu den Bestsellern, während Groessl mit Kazanskys UFA-Collage glänzte (16.000 €). Für das Antiquariat Schmidt & Günther war die Messe „fantastisch“, da man mehr als die Hälfte der im Messekatalog angekündigten buchkünstlerischen Meisterwerke gleich zu Beginn weitergeben konnte.

Gleiches gilt für die farbenprächtigen Erstausgaben seltener Reisebeschreibungen. Das Brockhaus-Messemotto „Eiskalt erwischt“ sorgte für einen Ausverkauf des Angebotes aus dem Messekatalog, während Ralf Eigl Cresswells Berichte über die Durchquerung der Nordwestpassage mit spektakulären lithographischen Darstellungen (39.000 €) und Langsdorffs Weltreisen (11.800 €) an den internationalen Handel abgab. Reiss & Sohn verkaufte Amatis äußerst rare Japan-Reise aus dem Jahr 1615 (12.000 €). Für Fabrizio Govi, erstmals aus Modena in Stuttgart angereist, war es eine erfolgreiche Messepremiere, nicht nur weil er mehrerer wertvolle Atlanten an Händler und Institutionen verkaufte. Und beim niederländischen Antiquariaat Forum faszinierten Smeeks utopischer Reiseroman (6.500 €) und Van de Veldes Kupferstichbuch aus dem Jahr 1620 (4250 €) die Käufer.

Grimmelshausen „Simplicissimus“ in der äußerst seltenen ersten Ausgabe an einen „Spontanverkäufer“ zu verkaufen, ist die hohe Kunst des Antiquariatsbuchhandels, der Wolfgang Braecklein gelang (32.000 €). Wie vielen seiner Kollegen verbuchte auch er ein exzeptionelles Messeergebnis 2012. „Rekordverdächtig“ nannte dies Herbert Blank, der nicht nur für Benjamins „Einbahnstrasse“ (8.000 €) und Balzacs „La peau de chagrin“ (7.000 €) mehrere  Interessenten hatte.

„Rekordverächtig“ heißt auch das Gesamtfazit, das der Verband Deutscher Antiquare nach der 51. Stuttgarter Antiquariatsmesse zieht. Nach guten Verkaufserlösen und einer rundum positiven Stimmung seitens Händlern und Käufern könne man nur positiv in das neue Handelsjahr 2012 gehen, resümierte Eberhard Köstler, der nach sechs Jahren als Vorsitzender des Verbandes Amt und Verantwortung an Christian Hesse als neuen Präsidenten abgab. Und dieser ergänzt: „Die Stuttgarter Antiquariatsmesse hat einmal mehr bewiesen, dass sie DER Handelsplatz für Buch und Kunst in Deutschland ist. Deshalb blicken wir schon jetzt mit Vorfreude auf die 52. Ausgabe der Messe, die vom 25. bis 27. Januar 2013 stattfinden wird.“

In diesem Sinne: Bis bald!

52. Stuttgarter Antiquariatsmesse

25. bis 27. Januar 2013

Fotos Fotos Fotos!

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Zitat der Woche

"I find television very educating. Every time somebody turns on the set, I go into the other room and read a book."

"Die Bildung, die das Fernsehen vermittelt, finde ich immens. Jedes Mal, wenn jemand den Fernseher einschaltet, verlasse ich den Raum und lese ein Buch."

Groucho Marx (1890 - 1977)

52. Stuttgarter Antiquariatsmesse

25. bis 27. Januar 2013

Württembergischer Kunstverein 

(Schlossplatz 2)

Freitag: 11 - 19.30 Uhr

Samstag und Sonntag: 11 - 18 Uhr