Messekatalog

Antiquariat am Moritzberg (Stand 15 )
Dr. Lothar Hennighaus
Zierenbergstr. 90 · 31137 Hildesheim
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Allgemeines Antiquariat mit Drucksachen aus sieben Jahrhunderten und allen Gebieten

 


Perefixe, Hardouin de. Histoire du Roi Henri-le-Grand. Paris, Renouard, 1816. Mit gestochenem Frontispiz. X S., 1 Bl., 468 S. Gr.8°. Dunkelroter Maroquinband mit reicher Blind- und Goldprägung, Steh- und Innenkantenvergoldung, dreiseitigem Goldschnitt und ockerfarbenen Moiré-Vorsätzen in Goldbordüre, in moderner Leinen-Kassette mit Rückenschild.
Kassette minimal berieben; teils stockfleckig. Breitrandiges Exemplar des biographischen Standardwerkes (zuerst Paris 1661) über den französischen Staatengründer, Nationalhelden (-heiligen) Henri IV. auf großem Papier: „édition bien imprimée et fort correcte“ (Brunet IV, 491). Provenienz: Zwei der größten US-amerikanischen Bibliophilen waren die Vorbesitzer. 1) Aus der Bibliothek von Robert Hoe III, mit dessen goldgeprägtem Exlibris verso fliegendem Vorsatz. R. Hoe (1839–1909) war äußerst erfolgreicher Fabrikant von Druckmaschinen (das Exlibris zeigt eine) und einer der größten Bibliophilen seiner Zeit; als solcher war er Mitbegründer und 1. Präsident des Grolier Clubs, New York; seine Bibliothek war ebenso legendär (14 837 Nummern) wie ihr Katalog zur Versteigerung von 1911 (4 Teile in 8 Bänden). Auf dem zweiten fliegenden Vorsatz befindet sich in Bleistift der alte handschriftliche Eintrag „Robert Hoe“, möglicherweise von dessen eigener Hand. 2) Vermutlich auf dieser Versteigerung erwarb Cortlandt Field Bishop das Exemplar; sein goldgeprägtes Leder-Exlibris befindet sich unterhalb desjenigen von Hoe. Bishop (1870–1935) war begeisterter Flugpionier und Büchersammler; seine Sammlung mit kostbar gebundenen Exemplaren, darunter vielen französischen, gelangte 1938 zur Versteigerung. Der Meistereinband vorliegenden Exemplars stammt von Joseph Thouvenin (winziger goldgeprägter Signaturstempel am Fuß des Rückens), unklar bleibt dabei, ob vom Älteren (Wirkungszeit 1813–34) oder Jüngeren (1822–44); die Werkstatt Thouvenin zählte ihrerzeit neben denen des René Simier und des Jean-Georges Burgold zu Frankreichs bedeutendsten und wird seit 2006 im Musée Condé de Chantilly umfänglich präsentiert; durch Thouvenins Rückgriff auf den „Kathedralenstil“ und den „Fächerstil“ wird er als der Begründer des „style historiciste“ gesehen, wobei hier ein hervorragendes und typisches Beispiel seiner Arbeit in vorzüglicher Erhaltung vorliegt.

Preis: 1500,- EUR

 

(Wollick de Serovilla, Nicolaus. Opus Aureum. Musice castigatissimum de Gregoriana et Figurativa atque contrapuncto simplici percommode tractans omnibus cantu oblectantibus utile et necessarium et diversia exerptum. Köln, Quentel, 1501). Mit Notendruck auf 41 Seiten, 3 Holzschnitt-Tabellen und 3 (1 blattgroßen, teilkolorierten) Text-Holzschnitten; die ersten Seiten rubriziert. 38 nn. Bl. (von 40; A1 und A6 in Faksimile des Expl. der BSB beigebunden). 4°. In neuerer Zeit in lateinische Pergament-Handschrift (um 1400?) gebunden, mit hs. Titel auf Deckel.
Sehr früher musiktheoretischer Traktat in der editio princeps, in allen Ausgaben des beginnenden 16. Jhdts. von großer Seltenheit (vgl. VD16 W 4339ff; STC 927; MGG XIV, 836f.) und erstes Beispiel eines Universitätslehrbuches, das auf Vorlagen wie Guido von Arezzo (vgl. auch die „Guidonische Hand“), Hugo von Reutlingen, Adam von Fulda, M. Kleinspeck, J. Clochlaeus, Sigebert von Gembloux oder Wollicks Wormser Lehrer Melchior von Schanppecher rekurriert. N. Wollick, Wollicus, Wolquier oder Volcyr (um 1480, Serouville/Lothringen – 1541 Nancy; nach frz. Rezeption vor allem Polyhistor), ist alleiniger Verfasser der beiden ersten Teile, Schanppechers Beiträge zur Musica figurativa (pars III), zur Kontrapunktik und Kompositionslehre (pars IV) sind hier erstmals veröffentlicht (vgl. auch MGG XI, 1598). Etwas berieben bzw. abgegriffen und gebräunt; auf dem Vorderspiegel mit montiertem gest. Wappen und der Merian-Ansicht von Ziegenberg (Langenhain, Ober-Mörlen in der Wetterau; 110 x 85 mm); A2 mit hinterlegtem Randausriss (kein Textverlust) und hs. Eintrag „Coloniae. 1501“; teils etwas fleckig und gebräunt; durchgehend wohl zeitgenössische oder wenig spätere Marginalien und Glossen in Sepia-Perlschrift und Unterstreichungen/Kommentare in Rot; die leeren Notenlinierungen des Drucks in schwarzer Tinte mit Tonleitern, kleinen musikalischen Motiven und Kompositionen in Rund- und Quadratnoten gefüllt; die Guidonische Hand mit feiner Schraffur ankoloriert und somit plastisch gehöht. Insgesamt wohl ein bedeutender Gegenstand für Untersuchungen zur Musikgeschichte der frühen Neuzeit.

Preis: 19500,- EUR

 

Balbus de Ianua, Ioannes. Catholicon. Nürnberg, Anton Koberger, 18. II. 1483. Lombarden bis fol. 69 in Rot und Blau, Rubrizierung in Rot bis fol. 126, danach beides sporadisch bis Ende. Fol. 393 (von 394, das l. weiße fehlt). 2°. Gepr. Leder d. Z. auf Holzdeckeln, mit 4 Eckbeschlägen, Zentralbuckel und 2 Messingschließen.
Erste Koberger-Edition. GW 03187; HC 2256; Goff B-25; BM STC 63. Die Kollation ist weitgehend identisch mit der des Straßburger Druckes des Jordanus von Quedlinburg, hat aber andere Typen und eine andere Zeilenanzahl. Der zweite Koberger-Druck des Titels stammt vom 21. 8. 1486 und hat 328 Blatt. Vorliegende Ausgabe des Catholicon ist die 6. überhaupt gedruckte (vgl. auch Brunet III, 51ff. unter Janua). Das Dekor der Hakenverschlüsse und ihrer Lager (Zentralrosette mit Akanthusumrahmung und 4 „Steigbügel“ – vgl. Adler, Abb. 5–35/40), die aufgesetzten Massivbuckel in Hutform (ibd. 5–68a) auf Eck- und Mittelbeschlägen sowie das Schriftmotiv aus langschäftigen gotischen Minuskeln auf dem quadratischen Mittelbeschlag weisen auf Nürnberg als Entstehungsort des Einbandes hin. Die Schrift auf dem Mittelbeschlag (nicht restlos aufgelöst, vgl. wiederum Adler S. 94f.), die Rosetten auf den Schließenankern sowie auf den floralen, durchbrochenen Eckbeschlägen sind signifikant für die Marienverehrung; als weiteres kommen hinzu Rosen-Plattenstempel in einem umlaufenden breiten Fries auf dem Hinterdeckel. Damit möglicherweise bei diesem rein säkularen Druckwerk kein Verdacht der Häresie o. ä. auftritt, hat das Papier schließlich eine sechsblättrige Rose als Wasserzeichen. Der Dominikaner J. Balbus aus Genua (starb ca. 1298) kompilierte um 1286 dieses „Catholicon“, wobei schon der Titel den umfassenden Anspruch dokumentiert; zu den Hauptquellen zählen wohl Isodorus von Sevilla (etwa 570–636) und Plinius d. J. Es ist das erste gedruckte Wörterbuch sowie das erste Druckwerk rein säkularen Inhalts überhaupt und geht ein auf Etymologie, Prosodie, Grammatik, Orthographie etc.; so sind im 5. Teil enzyklopädisch mehr als 14 000 Einträge aller Wissensgebiete aufgenommen, d. h. das Wissen seiner Zeit kompiliert. Schon die Inkunabelzeit zählt 24 Ausgaben (zuerst 1460; möglicherweise von und mit J. Gutenberg), deren Druckgeschichte bei der ersteren nicht restlos geklärt ist. Der Einfluss des Werkes überdauerte Jahrhunderte. Einband unter Bewahrung des alten Materialbestandes restauriert: Lederteile von Schließen und Rücken erneuert, dieser (leider in Antiqua) mit Rückentitel; Vorsätze erneuert; breite Stege einer Pergamentmakulatur mit Besitzvermerk von 1703; bis ca. fol. 30 schwächer werdender Wasserrand im Bug und am Fuß; schwacher schmaler Wasserrand am Kopf; insgesamt etwas wellig; fol. 126–134 sehr gering am Rand gestaucht; 3 kurze, zeitnahe Marginalien in schwarzer Tinte; am Fuß des Hinterdeckels in einer Rosette möglicherweise die ineinander verschlungenen Initialen „NN“. Die Machart des Einbandes legt nahe, dass es sich um ein frühes Beispiel eines Verlagseinbandes handelt, der in Zusammenarbeit mit Koberger von einem Nürnberger Binder erstellt wurde. Insgesamt fast fleckenfreies, breitrandiges Exemplar.

Preis: 26500,- EUR

 

Aristoteles. Decem libri Ethicorum ad Nicomachum ex traductione Ioannis Argyropoli Byzantinij: communi, familiarique Iacobi Fabri Stapulensis commentario elucidati, & singulorum capitum argumentis praenotati. Adiectvs Leonardi Aretini de moribus dialogis ad Galeorum. Dialogo paruorum moraliu Aristotelis ad Eudemium fere respondes. 2 Teile in 1 Band. Paris, Apud Ioannem Paruum (Jean Petit), 1539. Mit breiter vierteiliger Holzschnitt-Titelbordüre und einigen schematischen Textholzschnitten. Fol. 312 (recte 319), 1 w. Bl., fol. 11, 1 w. Bl.. 8°. Geprägter geglätteter Lederband d. Z. auf 5 Bünden.
Die Deckel zeigen in dreifacher Fileten-Blindrahmung jeweils eine allegorische Frauengestalt, kaum von einem Schleiergewand verhüllt und bezeichnet mit Fides-Spes-Caritas, als blindgeprägtes Relief (Negativprägung); die Frau richtet ihren Blick (sehnsuchts- oder andachtsvoll? ekstatisch?) auf ein großes Kreuz über den Wolken: „Meritum Christi.“ Vervollständigt wird die emblematikähnliche Komposition mit einem ebenfalls negativ geprägtem Zitat aus Psalm 70: „In te domine speravi non confundar in eternum, in iustitia tua libera me & eripe me.“ Dieser Plattenstempel ist der größte der bei Haebler gelisteten (I.P. III; 109 x 67 mm) mit diesem Motiv. Weltweit ein weiteres Exemplar dieser Ausgabe der Nicomachischen Ethik bekannt (StB Trier; vgl. KVK Okt. 2018). Eine zeit- und kollationsgleiche Pariser Ausgabe stammt von Jacques Kerver, dem Ehemann von Guillemette de la Vigne und damit dem Schwiegersohn von Jean Petit, in dessen Werkstatt er auch arbeitete. Kerver hat somit vermutlich Petits Satz verwandt und nur das Impressum/Titelblatt verändert; dasselbe läßt sich auch vermuten bei einem dritten Pariser Druck desselben Titels durch Ambrosius Girault, der im selben Jahr in derselben Übersetzung des byzantinischen Humanisten Johannes Argyropulos (1415–1487) erschien. Der zweite Teil enthält eine Schrift des Aristoteles-Übersetzers und Lehrers der (aristotelischen) Philosophie Leonardo Aretino (= Leonardo Bruno), der nach seiner Flucht aus Konstantinopel (1453) zu den Wegbereitern einer Neurezeption der griechischen Antike gehörte und damit zum intellektuellen Movens der Renaissance insgesamt. Foliierung und Plattennummerierung fehlerhaft, Kollation aber komplett. Etwas berieben und bestoßen; Rücken erneuert unter Verwendung des erhaltenen Materials; Leder-Schließenbänder entfernt; die Spiegel aus Fragmenten einer spätmittelalterlichen Pergamenthandschrift (ca. 15 x 10 cm; braune Tinte; 2 dreizeilige Initialen in Rot und Blau; 29 Zeilen erhalten); letztes weißes Blattfragment mit Pergament-Nachsatz verklebt; Titelei, die 2 folgenden Bl. und die letzten 2 Bl. am Kopf brüchig, mit Feuchtigkeitsspuren und kleinen hinterlegten Fehlstellen; Titelei mit kleiner zeitgenössischer Glosse; durchgehend mit Feuchtigkeitspuren und etwas fleckig; die letzten ca. 20 Bl. wasserrandig. Auf vorderem Innendeckel der handschriftl. Besitzeintrag und auf hintererm Innendeckel das Exlibris eines Thore Virgin, jeweils datiert 1911.

Preis: 3000,- EUR

 

Chiromancia. Kunst Wahr vnd Weissagens / von dem gegenwertigen und zukünfftigen Glück vnd Vnglück / welches erkündet wirdt: I. Planetenbuch / Von der Wirckung deß Gestirns vnd der Zeichen deß Himels. II. Geomancia, Von der Zahlrechnung. III. Physionomia. Von deß Leibs gestalt. IIII. Chiromancia, Von den Lineamenten / vnd Zeichen an den Händen. V. Traumbüchlein / Von Nächtlichen erscheinungen. Frankfurt/M., Egenolf Erben, 1590. Titelei in Rot und Schwarz; mit kolor. HSchnitt-Titelvignette und 188 Textholzschnitten (teils Weißliniendrucke). 263 S., 2 Bl.. 8°. Leinen des 19. Jhdts mit Rückentitel.
Nicht bei Holzmann/Bohatta und Hayn/Gotendorf; keine Erwähnung bei Zinner; kein Exemplar auf dt. Nachkriegsauktionen; das einzige Exemplar bei VD16 C2274 (StaBi Berlin) mit inkompletter Kollation; weltweit ein weiteres Exemplar in Stockholm; ein zweiter Druck mit diesem Titel bei Egenolf 1594 mit verändertem Satz. Möglicherweise handelt es sich bei der „Chiromancia“ um eine eingedeutschte, also auf Breitenwirkung bedachte Version der „Introductiones … in Chiromantiam“ des Johannes de Indagine (d. i. von Hagen; vgl. Jöcher II, 1884); fraglich jedoch, warum der Titel so selten ist. Gering berieben; fliegende Vorsätze fehlen; gegen Ende sehr gering stockfleckig. Frisches Exemplar.

Preis: 3000,- EUR

 

Kant, Immanuel. Über die von der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin für das Jahr 1791 ausgesetzte Preisfrage: Welches sind die wirklichen Fortschritte, die die Metaphysik seit Leibnitzens und Wolf’s Zeiten in Deutschland gemacht hat? Herausgegeben von D. Friedrich Theodor Rink. Königsberg, Goebels und Unzer, 1804. 204 S., 2 Bl. (Verlagsanzeigen). 8°. Einfache Interimskartonage d. Z. mit hs. Rückentitel.
EA; Warda 220. Unmittelbar nach Kants Tod wurde die Schrift, mit der Kant (selbstverständlich?) den Preis für die Beantwortung der Frage nicht gewann, von Rink, der auch andere Schriften Kants betreute, herausgegeben. Ziegenfuß I, 642 gibt das Entstehungsdatum, aber nicht das Jahr der Druckausgabe an. Einband etwas stockfleckig und gering bestoßen; Papier angegraut.

Preis: 850,- EUR

 

Aristoteles. Problemata Aristotelis. Frankfurt/M., Johann Wolf, 1571. Mit großer figürlicher Holzschnitt-Vignette am Titel und Holzschnitt-Maureske am Schluß. 152 nn. Bl.. 8°. Reich geprägter brauner Kalbslederband d. Z. mit meisterlich punziertem Goldschnitt, in Leinenkassette mit Leder-Rückenschild.
Jakob Krause (1531/2–1586), der „bedeutendste Buchbinder seiner Zeit“ (Slg. Palatina E 8.4), war, nach langer Wander- und Lehrzeit u. a. in Paris sowie ersten Arbeiten für die Fugger in Augsburg, seit 1566 als Hofbuchbinder für den Kurfürsten August in Dresden bestallt. Für ihn fertigte er in der Folge ca. 40 Bücher wie das vorliegende als Plattenpressungsbände an. Sie sind angelehnt an den Grolier-Stil und bilden die kleinste Gruppe seines Oeuvres (ausführlich dazu mit zahlreichen Abbildungen Schunke: Leben und Werk J. K.; siehe auch: Schmidt: Jakob Krause). Die Prägungen auf ausgesucht gutem Leder sind ausgeführt mit einem der insgesamt siebzehn Stempel aus Krauses Besitz, die somit nur in sehr begrenzter Anzahl Verwendung fanden. Diese Bücher waren meist philosophischen, naturwissenschaftlichen oder belehrenden Inhalts und wurden ausschließlich für den Gebrauch von August selbst oder als dessen Geschenk und damit als besonderer Gunstbeweis gebunden. Vorliegendes Exemplar fällt in eine für Krause entscheidende Lebensphase: In diesem Pestjahr 1571 verlor er seine erste Frau und ein Gesuch an den Kurfürsten blieb lange unbeantwortet, bis er anstelle einer Bezahlung nach Stücken ein Pauschalgehalt samt Wohnung und Werkstatt im Schloss neben der Bibliothek erhielt. Der Text des Werkes, ein Dialog von Frage und Antwort, zuerst erschienen 1551, ist hier hauptsächlich einem „Aristoteles“ zugeschrieben, wobei dessen Name als Gattungsbegriff für naturkundliche Gelehrte gelten mag und „viele“ oder „die maßgeblichen“ meint, die mit der Autorität des Kanonischen versehen sind. Gering berieben; kleine Fehlstellen an Kapitalen, Ecken und Kanten professionell und kaum störend restauriert; Titelei mit Randausriss, dieser professionell angeschwemmt; insgesamt etwas gebräunt und fleckig.

Preis: 8500,- EUR

 

Eruditorium penitentiale Editio princeps. Paris, Antoine Caillaut, um 1490. Mit 17 halb- und ganzseitigen Holzschnitten. 75 (von 76) nn. Bl. (erstes mit Titel fehlt und als Faks. beigebunden). 4° (18 x 12,5 cm). Dunkelgrüner Maroquinband mit Rückentitel, reicher -vergoldung, dreifachen Deckel- und zweifachen Stehkanten-Goldfileten, breiten Innenkantendentelles, Eckfleurons aus gekröntem Wappenmonogramm und dreiseitigem Goldschnitt (um 1850).
Eines der frühesten illustrierten Bücher Frankreichs und die erste Inkunabelausgabe des Traktats über die menschlichen Verfehlungen in vorzüglich frischem Zustand und einem schlicht-eleganten Einband von Georges Trautz-Bauzonnet (in der Nachfolge von Thouvenin und Burgold, den ersten Protagonisten des historisierenden Stils in Frankreich). Trautz (1808, Pforzheim - 1872, Paris) übernahm 1848 die Werkstatt von Bauzonnet (Signatur bis dahin: Bauzonnet-Trautz); zu seinem Werk vgl. die Exponate im Musée de Chantilly. Die Holzschnitte (in guten Abdrucken) zeigen einen Magister mit Schüler im Gehäuse, Mann und Frau mit Wappen und Motti ("vita natural" - "vita noxial"), eine der frühesten bekannten Totentanzdarstellungen ("Mors nature que est pervidenda et amara"), eine Darstellung des Fegefeuers samt gehörnt-gefügeltem Teufel und 7 Sündern im Siedetopf, der von 2 weiteren Teufeln befeuert wird, das Rad der Fortuna, den Himmelsherrscher in den gestuft-geordneten Engelschören, 3 Darstellungen von Engeln als Überbringern der göttlichen Botschaft und personifizierte Darstellungen der 7 Sünden, reitend auf verschiedenen Tieren: "superbia, invidia, ira, accidia, avaricia, gula, luxuria". Caillaut druckte bis 1500 ca. 50 Titel, die meisten davon ohne Datum bzw., wie der vorliegende, ohne Kolophon (vgl. STC Fr 154 und STC Suppl. 114f). Vom Eruditorium erschien bei Caillaut eine weitere Ausgabe (vgl. GW 9390 und 9391) mit geringfügig abweichendem Satz, der neben dem Zustand der Holzschnitte vorliegende Ausgabe als die frühere identifiziert, wobei drei Stöcke der Schnitte aus einem anderen Werk übernomen wurden. Minimal berieben; die einfache Titelei (aviso nur: "Eruditorium penitentiale") als hervorragend gutes Faksimile auf einem nach Farbe und Haptik dem Original täuschend ähnlichen Papier, das sogar eine ähnliche Schöpflinienweite hat. Provenienz: aus der Sammlung von Arenberg und Friedlaender, mit deren einfachem typographischem Exlibris auf marmoriertem Vorderspiegel. Von dieser Ausgabe sind weltweit weitere 12 Exemplare bekannt (2 davon Fragmente).

Preis: 18000,- EUR

 

Gesner (Gessner), Conrad Sammelband mit drei zoologischen Werken. 1) Thierbuch. Das ist eine kurtze beschreybung aller vierfüssigen Thieren (...) durch D. Cûnrat Furer (...) in das Teutsch gebracht. 2) Vogelbuch. Darin die Art /natur und eigenschafft aller vöglen (...) angezeigt wird. (...) durch Rudolf Heußlin mit fleyß in das Teutsch gebracht. 3) Fischbuch (...) durch D. Cûnrat Forer (...) in das Teutsch gebracht. Jeweils editio princeps in deutscher Sprache. Zürich, Froschauer, 1563,1557,1563. Mit ca. 1000 teils halb- oder blattgroßen Holzschnitten, einige wenige davon ankoloriert. 4 Bl., fol. 171 (von 172), 6 Bl., fol. 263, 1 Bl., 6 Bl., fol. 202 (recte 201), 1 Bl.. Folio. Schweinslederband d. Z. auf schweren Holzdeckeln, mit reicher Blindprägung, 5 Bünden und 2 intakten Leder-Messing-Schließen.
Für die historische Einordnung des Universalgelehrten Conrad Gesner (1516-1565) und seines zoologischen Hauptwerkes "Historia animalium" (1551-87), dessen ersten vier Teile hier in der ersten deutschen Übertragung vorliegen (zusammengefaßt in 3 Büchern), rekurrieren Carter/Muir (PMM 77) auf die größten Namen dieser Wissenschaft wie Aristoteles, Plinius, Ray und Linné. Hinzuzufügen wäre noch Buffon, der im enzyklodädischen Impetus und der Exaktheit der Abbildungen erst Gesner überholte. Gesner zog für die Abfassung der Texte die gesamte überlieferte Literatur ebenso wie Mythologie und das Fachwissen seiner zeitgenössischen Gelehrten heran; auch benutzte er neben eigens für das Werk in Auftrag gegebene Abbildungen bereits vorhandene Holzschnitte wie den des berühmten Nashorns von Dürer. Nissen (Ill. Vogelbücher. S. 35) fügt hinzu: "In einem Brief (...) beklagt er sich z. B. lebhaft über den von seinem Verleger und Drucker Froschauer beschäftigten Kolorierer (...). Und in der Tat sind die unkolorierten Exemplare in der Regel vorzuziehen." Tenschert (Kat. 34/35, #71) nennt die Illustratoren: "An den Vorzeichnungen und den Holzschnitten des Werkes waren zahlreiche Künstler beteiligt, namentlich bekannt sind der Straßburger Maler Lukas Schan, der die Abbildungen der Vögel lieferte, ferner die Zürcher Maler Großhans Thomann, Jos Murer und Hans Asper. Nach dem auf zahlreichen Holzschnitten erscheinenden MOnogramm "OF" scheint Froschauer als Formschneider den Straßburger Franz Oberrieter (Oberreiter) bestelt zu haben." Gesners Zoologie markiert, wie die Wissenschaft in der Renaissance überhaupt, den Schnittpunkt von Altertum und Moderne, Mytholgie und Empirie. Wissen durch Hörensagen steht neben eigener Anschauung, gesicherte Nachrichten z.B. über Amerika neben 'fake news' (Jägerlatein, Seemannsgarn, 'stille Post'). "Die Popularisierung (...) wurde von der Tatsache begünstigt, daß sie keineswegs nur zoologisches und biologisches Wissensgut vereinte, sondern auch über den Nutzen der Tiere für den Menschen informierte. (...) Doch ungleich stärker noch als die lateinischen Vollfassungen wird der Charakter der Thierbuch-Redaktion von dem Bestreben geprägt, der Historia den Glanz eines aktuellen Gebrauchsschrift von hoher 'nutzbarkeit' für Tierhalter, Ärzte, Köche oder Jäger des 16. Jahrhunderts tzu verleihen." (Bibl. Palatina E. 20.6) Der 5. und letzte Teil (über Schlangen und Skorpione) von Gesners Zoologie erschien erst 1587, 22 Jahre nach seinem Tod. Es fehlt im 1. Teil fol. XI; im letzten Teil wird fol. CIV übersprungen, aber nach Bogenzählung und Kustoden ist der Text komplett. Vorderes Außengelenk am Kopf angeplatzt; etwas berieben, bestoßen, fleckig und gebräunt; fliegender Vordervorsatz mit langem Einschnitt; Titelei von Teil 1 knittrig, gerändert, fingerfleckig und mit altem Stempel; einige Bll. mit Randläsuren oder Einrissen, diese teils hinterlegt; teils etwas (finger-)fleckig; gegen Ende mit Tintenfleck am Schnitt, der sich gering in den Rand erstreckt; Wappenexlibris auf vorderem Spiegel.

Preis: 17500,- EUR

 

Agricola, Georgius (eig. G. Bauer): De re metallica libri XII. Quibus officia, instrumenta, machinae, ac omnia denique ad metallicam spectantia, non modo luculentissime describuntur; sed & per effigies, sui locis insertas, adjunctis Latinis, Germanicisq; appellationibus, ita ob oculos ponuntur, ut clarius tradi non possint. Ejusdem De animantibus subterraneis liber, ab Autore recognitus. Cum Indicibus diversis (...). Basel, Ludovicus Rex (Ludwig König), 1621. Mit insges. 292 Holzschnitten, darunter einige wenige schematisch, 72 fast ganzseitig, 2 gefaltet, dazu einige Holzschnitt-Initialen und -Vignetten. 5 Bl., 538 (d. i. 502) S., 29 Bl.. 2°. Lederband der Zeit.
VD17 23:297726T; Poggendorff I, 17; Jöcher I, 149f; PMM 79; Brunet I, 113. Die Holzschnitte in klaren, meist kräftigen Abdrucken stammen von Hans Rudolf Manuel Deutsch (1525-75; Maler, Dichter, Zeichner; nannte sich auch Johan Rudolf oder Hans Rudolf Emanuel; signierte mit HRMD; vgl. Th./B. 9, 171ff) und anderen wie dem Holzschneider Zacharias Specklin; mit den gelegentlich fehlenden Falttafeln (diese außerhalb der Paginierung) zu S. 97 und 100. Rücken (mit goldgeprägtem Titel) im 20. Jhdt erneuert; Kanten und Ecken berieben und bestoßen; Lederbezug rissig; Vorsätze erneuert; Block nach Lage F angebrochen; Paginierung mehrfach fehlerhaft, aber Kollation nach Kustoden und Lagenzählung komplett; 8 Bl. am Fuß mit althinterlegten kleinen Randeinrissen; einige Bl. angerändert; teils stock- bzw. braunfleckig; insbesondere an den Rändern gebräunt. Trotz der Mängel immer noch beeindruckendes (und vollständiges) Exemplar des bedeutensten technischen Buches der frühen Neuzeit, dessen Rezeption mit dieser Ausgabe schon im 17. Jhdt selbst China erreicht haben soll. Wer heute aber Bilder von Gruben und Minen in China, Indien, Pakistan oder Brasilien, Metallrecycling in Indonesien, Vietnam oder Westafrika sieht, wird den Stand der Agricolaschen Technik vermissen, welche den Arbeitern (Kindern, Tagelöhnern, Sklaven?) in der Gegenwart vorenthalten wird.

Preis: 8000,- EUR

 

 

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