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Bibermühle – Heribert Tenschert (Stand 19 )
Bibermühle 1 · 8262 Ramsen, Schweiz
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Illuminierte Manuskripte · Schöne und seltene Bücher des 15. bis 20. Jahrhunderts

 


Biblia Pauperum. Blockbuch.
Holztafeldrucke in Braun auf Papier.
Süddeutschland, gedruckt von in den Niederlanden geschnittenen Holzstöcken, ca. 1464–65 (? oder früher).
40 Blätter ganzseitige Holzschnitte mit 200 Einzelbildern, einseitig bedruckt von 20 Holzstöcken zu je einem Doppelblatt, die Bildseiten jeweils einander gegenüberstehend.
Kollation: 1–202 (Blattsignaturen a-v, .a.-.m., n/o, .p./.q., r/s, .t./.u.).
Folio (Blattgröße 276 x 203 mm).
Vergoldeter englischer Maroquinband um 1820 von Charles Lewis, Deckel mit Filetenrahmen und Eckfleurons, flacher Rücken mit Rückentitel, Ganzgoldschnitt.
Das einzige in Privathand verbliebene Exemplar dieser Blockbuchausgabe der „Biblia Pauperum“, von der insgesamt nur drei komplette Exemplare bekannt sind. Der Titel „Biblia Pauperum“ findet sich erstmals in einer nicht illustrierten Handschrift von 1398 (München, Clm. 12717). Der Name ist jedoch irreführend, denn das Werk war keineswegs lediglich eine Bilderbibel für die des Lesens unkundigen Armen. Es enthält vielmehr ein komplex aufeinander bezogenes Arrangement von Bildern und Texten, dessen Bedeutung sich nur dem offenbarte, der des Lateinischen mächtig war, um den Kontext der verwendeten Bibelzitate wußte und dem das komplizierte mittelalterliche Konzept der biblischen Typologie geläufig war. Im Zentrum jedes Blattes steht ein Bild aus dem Leben Christi bzw. der Jungfrau Maria, das von zwei „Typen“ aus dem Alten Testament (vornehmlich aus dem Pentateuch und dem Buch der Könige) flankiert wird. Dazu kommen oben und unten vier alttestamentarische Figuren (zumeist König David und drei Propheten) mit Prophezeiungen auf Schriftbändern sowie kurze Paraphrasen aus der Bibel.
Das Standardwerk über die verschiedenen Ausgaben der „Biblia Pauperum“ ist nach wie vor Schreibers „Manuel de l’amateur …“ Band IV. Schreiber identifiziert zehn verschiedene Ausgaben, die er in vier Gruppen einteilt, ohne jedoch eine Reihenfolge der Ausgaben zu etablieren. Die hier vorliegende Ausgabe VI zählt für ihn zusammen mit den verwandten Ausgaben I und IV zu den frühesten Erzeugnissen, nach einer bisher unbekannten und wohl verlorenen handschriftlichen Vorlage. Neuere Forschungen von Renate Kroll weisen auf die der vorliegenden Edition nahe verwandte Ausgabe IV als die älteste erhaltene Blockbuch-Ausgabe der „Biblia Pauperum“. Die Ausgabe besteht aus 40 Tafeln, die jeweils als Doppelblätter von 20 Holzstöcken gedruckt wurden. Sie enthält 24 Tafeln (12 Holzstöcke) der Ausgabe IV und 16 neu geschnittene Tafeln (8 Holzstöcke). Die Holzstöcke wurden im Reiberdruckverfahren abgezogen, wobei das Papier auf den mit Tinte eingefärbten Stock gelegt wurde und auf der Versoseite möglichst fest angedrückt wurde (z. B. mit einem Falzbein). Zumeist wurde braune, auf Wasserbasis hergestellte Tinte verwendet, im Gegensatz zur ölhaltigen Druckerschwärze beim Buchdruck. Da die wasserhaltige Tinte auch auf die Rückseiten durchschlug, konnten die Blätter nur einseitig bedruckt werden. Sie wurden mit den Bildseiten zueinander gefaltet und gebunden, wobei fast immer die beiden unbedruckten Versoseiten zusammengeleimt wurden. Dadurch, dass für den Druck keine Presse oder sonstige aufwendige technische Hilfsmittel verwendet wurden, waren die Holzstöcke leicht zu transportieren und konnten an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten abgedruckt werden. Die Holzstöcke sind wohl in den Niederlanden entstanden und zweifelsfrei wurden auch dort Blockbücher von ihnen gedruckt (z. B. das Exemplar der Königlichen Bibliothek Den Haag). Die Wasserzeichen des Botfield-Exemplars weisen jedoch auf einen Druckort in Süddeutschland. Das verwendete Papier entstand in Italien und war für den Export nach Zürich, Süddeutschland (Nürnberg) und weiter nach Wien und auf den Balkan bestimmt. Die Lokalisierung des Druckorts in Süddeutschland ist besonders in Verbindung mit den weiteren dort entstandenen Ausgaben der „Biblia Pauperum“ interessant: zwei deutsche Blockbuch-Ausgaben von Fr. Walther und H. Hurning in Nördlingen (1470) und von Hans Spoerer 1471 (wohl in Nürnberg). Die vorliegende „Biblia Pauperum“ ist daher auch ein hervorragender Zeuge für die Druck- und Verbreitungsgeschichte der Blockbücher. Ein Faksimile dieses Exemplars sowie eine genaue Analyse mit Anmerkungen zum Papier, zur kunst- und buchhistorischen Bedeutung sowie einem Census der bekannten Exemplare, Einzelblätter und Fragmente erscheint demnächst in unserer Reihe „Illuminationen“.
Das Blockbuch ist komplett und bestens erhalten. Es ist mit Sicherheit das schönste Exemplar einer „Biblia Pauperum“ auf dem Markt seit fast 100 Jahren. Die Holzschnitte wurden auf starkes Bütten gedruckt und die Abzüge sind, der leicht blassen Tinte zum Trotz, scharf und frisch. Es gibt keine Anzeichen dafür, daß die Blätter in früherer Zeit mit den Versoseiten zusammengeklebt waren, was häufig zu Bräunungen oder Verfärbungen des Klebstoffs führte. Die Doppelblätter wurden getrennt und einzeln auf Falze geheftet. Da der Zwischenraum zwischen den Bildern teils nur 5 mm betrug, ergibt sich ein minimaler Verlust am inneren Rand, der jedoch zumeist nicht über die Einfassungslinie hinausgeht. Die Einfassungs- und Trennlinien sind teils alt mit Tinte verstärkt, ebenso einige Buchstaben; dies wohl zeitlich parallel zur alten Foliierung.
Provenienz: Beriah Botfield, zitiert bei Schreiber (S. 6) als unauffindbar. Marquess of Bath.
Biblia Pauperum. Blockbook. Southern Germany, from Netherlandish woodblocks, c. 1464–1465.
40 leaves of illustration and text, printed from 20 blocks, each bifolium printed on one side only from one block cut with two pages, in pale brownish ink and folded with printed sides facing each other.
Collation: 1–202 (signed a-v, .a.-.m., n/o, .p./.q., r/s, .t./.u.).
Folio (276 x 203 mm).
English gold-tooled blue morocco around 1820, fillet border on sides with cinquefoil at corners, title lettered along flat spine, gilt edges, by Charles Lewis.
One of only three complete copies known of Schreiber ed. VI, the only one remaining in private hands. The title “Biblia Pauperum” appears first in the colophon of an unillustrated manuscript of 1398 (Munich, Clm. 12717). It is a very misleading one, as it suggests that the book was used to teach the poor and illiterate the story of the Bible. In reality, however, it is a most complex arrangement of Biblical material which can only be understood by those already familiar with the Bible and the medieval concept of typology. At the centre of each plate is a scene from the life of Christ and the Virgin Mary. On either side of these are scenes from the Old Testament (mostly from the Pentateuch or the Book of Kings) with its prefiguration. Four little figures from the Old Testament (usually King David and three prophets) with prophecies and paraphrases from the Bible fill the upper and lower compartments. Schreiber identified ten editions of the 40-leaf “Biblia Pauperum” without establishing precedence. He considered ed. VI, along with editions I and IV, to be modeled directly on a lost original source. More recently, Renate Kroll has posited ed. IV (closely related to ed. VI) as the earliest surviving edition. Blockbook editions of the “Biblia Pauperum” originated in the Netherlands about 1460, possibly at Utrecht (cf. R. Koch). They were produced by cutting both image and text into a block of wood. The block was then inked, a sheet of paper laid over it, and the verso of the sheet rubbed to take the impression. The sheet, printed on one side only, was folded in half and sewn at the hinge into a binding, almost always with the blank sides pasted together. Requiring no special equipment, their printing was not dependent on a particular shop or printer; the woodblocks could easily be transported and printed anywhere. Therefore impressions from one set could be and were printed in different locations at different times. The Botfield copy of the “Biblia Pauperum” is an important witness to the printing history of blockbooks. The edition consists of 24 plates (12 blocks) used in Schreiber ed. IV and 16 newly cut plates (8 blocks). Schreiber assigned the blocks to the Netherlands, and copies of this edition were certainly printed there, as watermarks in some copies show. Our copy (and the British Library copy) were printed on paper manufactured in Italy and exported for use primarily in southern Germany. This localization is all the more interesting in the light of the typographic editions of the “Biblia Pauperum” printed at Bamberg by Pfister c. 1462–63, and two German-text blockbook editions, one printed by Walther and Hurning of Nördlingen in 1470, and the other by Hans Spoerer in 1471 probably at Nuremberg; there was clearly a market for the work in that region. A facsimile of this copy accompanied by a thorough analysis and a census of the surviving copies and fragments of the edition will be published in our series “Illuminationen”.
Condition: This is one of only three complete copies known and it is in marvelous condition. It is the finest copy to come on the market for nearly a hundred years. The impression of the woodcuts is sharp and fresh and the paper is strong. There is no evidence that the blank sides of the leaves were pasted together. The bifolia have been divided and each leaf mounted on a stub for binding. Because the two images on each block were separated by a space as narrow as 5 mm, there is slight loss at the inner margin, usually extending no further than the rule border. Numerous plates with some rule frames or outlines strengthened in ink, some also with a few letters strengthened, possibly at the time when the early foliation was added.
Provenance: Beriah Botfield, cited by Schreiber (p. 6) as untraceable. Marquess of Bath.
Siehe die Tafel 1 und 2. Bibermühle

Preis: 1850000,- EUR

 

 

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