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Antiquariat Banzhaf (Stand 43 )
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Illustrierte Bücher · Fotografie · Naturwissenschaften · Buchwesen

 


Album amicorum. Mit 152 gezeichneten Porträtsilhouetten in Tusche, teils farbig gehöht, davon 4 mit floralen farbigen Rahmen; 2 Bleistiftzeichnungen und 3 aquarellierten Zeichnungen. Mit ca. 195 Einträgen aus Magdeburg, Burg, Schoenebeck und anderen Orten, 1780–1797. 132 Bll. und 6 Bll. Namenregister. Alte handschriftliche Seitennummerierung (1)-269 mit Sprüngen und Auslassungen. Brauner Kalbslederband d. Zeit auf 4 flachen Bünden mit goldgeprägtem Titel im zweiten Feld „Andencken guter Freunde“ und reicher floraler Goldprägung in den übrigen. Beide Deckel gerahmt von Goldbordüre zusammengesetzt aus floralen Einzelstempeln. Vorderdeckel mit goldgeprägtem Monogramm J. C. S. Goldschnitt. Fliegende Vorsätze und Spiegel mit Kleisterpapieren belegt. Quer-Kl-4to (190 x 117 mm). Deckel und Rücken berieben, Kanten wenig bestoßen.
Durch die große Zahl an fein ausgeführten und künstlerisch hervorragenden Schattenrissporträts, die überwiegend direkt in das Album gezeichnet und auch namentlich bezeichnet wurden, höchst außergewöhnliches Album. 91 Silhouetten zeigen Büsten von Männern, 61 von Frauen, darunter auch einige von Knaben und Mädchen. Die Frauenporträts teils mit Hüten in farbiger Gestaltung und feiner Ausführung, teils auch mit weißen Spitzenkrägen und Spitzenhauben und feiner Binnengestaltung der Frisur und Kleidung. Die Silhouetten sind entweder direkt im Eintrag angeordnet oder freistehend allein oder zu mehreren auf gegenüberliegenden Seiten. Reizvoll auch einige Paar- bzw. Familienporträts, die dann zumeist mit einander zugewandten Köpfen auf einer Seite bzw. auf gegenüberliegenden Seiten angeordnet sind. Sie sind nach Ausführung und Stil einheitlich und wohl von einer Silhouetten-Künstlerin bzw. einem Silhouetten-Künstler geschaffen. Die Mehrzahl der Einträge ist datiert zwischen 1780–1787. Im Zeitraum von 1780 bis 1785 sind ca. 94 Einträge mit 114 Porträtsilhouetten enthalten, weitere bis ca. 1790, danach nur noch einige wenige, der späteste Eintrag wurde 1800 geschrieben. Die überwiegende Zahl der Einträge stammt aus der Stadt Magdeburg und Umgebung, davon ca. 32 aus Magdeburg, 49 aus Burg, 41 aus Schoenebeck und weiteren kleineren Ortschaften im Umland von Magdeburg, darunter Loburg (3), Frohse (5), Havelberg (1) und Arendsee (Altmark) (4). Der Index enthält insgesamt 183 Namen. Durchgehend etwas fingerfleckig, einige Silhouetten mit kleineren Farbwischern, eine Silhouette stärker, an einer Stelle des Albums wurde offensichtlich ein Blatt/Blätter entnommen. – „Die Antikenbegeisterung der Klassik feierte die Pseudo-Schattenbilder auf griechischen Keramiken als idealtypisch für die vergangene Epoche und als Vorläufer der schwarzen Salonkunst. In den sechziger bis achtziger Jahren erreichte die Silhouettenkunst in Deutschland ihren Höhepunkt, wobei vor allem der Weimarer Hof, Dessau, Gotha und Berlin als wichtige Zentren gelten dürfen … Da die Passion für die Zeichen- und Scherenkunst Frauen wie Männer des Adels und des gehobenen Bürgertums ergriff, führte diese einfache und schnelle Methode, Menschen auf Papier zu bannen, zu einer beachtlichen Produktionsmenge, die heute oftmals nicht mehr den Künstlern oder ihren Modellen zuzuordnen ist. Neben persönlichen Alben wurden auch günstige nationale Portraitgalerien angefertigt, wie z. B. die Ausgaben von Johann Christian Hendel: Schattenrisse edeler Teutscher. Dessau, Leipzig 1783f. und Adam Friedrich Geisler: Schattenrisse edler deutscher Frauenzimmer. Dessau, Leipzig 1784 belegen“ (http://www.uni-regensburg. de/bibliothek/bilderbogen/schwarze-kunst/silhouetten-kunst/index.html). Ein Eintrag könnte, zumindest was den künstlerischen Aspekt dieses Albums betrifft, von Bedeutung sein. Auf den Seiten 104/105 hat sich das Ehepaar Jeannette und Jacques Papin mit Datum vom 19. November 1784 eingetragen, mit ihren Porträts auf der gegenüberliegenden ganzen Seite, geschmückt mit einem fein ausgeführten Blumengebinde. Jeannette Papin, geborene Chodowiecki (1761–1835), war die Tochter von Daniel Nikolaus Chodowiecki, dem berühmten Berliner Kupferstecher und Radierer (1726–1801). Aufgewachsen in Berlin war sie als Genremalerin (Aquarell und Pastell), Miniaturistin und Radiererin tätig (Thieme-Becker XXVI, 221). Sie heiratete 1784 den reformierten Priester und Konsistorialrat Jacques Papin, mit dem sie dann in Potsdam lebte. Es besteht eine gewisse Plausibilität, ihr die vorliegenden qualitätvollen, getuschten und farbig akzentuierten Porträtsilhouetten zuzuschreiben.

Preis: 11000,- EUR

 

Krütli, Joseph Karl. Tagebuch. Deutsches Manuskript auf Papier. In 9 Bänden gebunden. Bände I-III: Jena 1836–1838; Bände IV-VI: Heidelberg 1838-(1842); Bände VII-VIII: Luzern? (1843–1851); Band IX: Hildesheim 1852 – (Bern? 1856). Zusammen ca. 1700 Seiten in gleichmäßiger, gut lesbarer Schrift in brauner Tinte. – Und: Krütli, Joseph Karl. Reise von Luzern nach Jena. (8. bis 20.) October 1836. Geschrieben in gleichmäßiger, gut lesbarer Schrift in brauner Tinte, 130 Seiten. Dunkelgrüne uniforme Leinenbände d. Zeit (Bände I-IV). Dunkelgrüne Halbleinenbände (Bände V-VI). Graue Leinenbände mit goldgeprägten Rückenfileten (Bände VII-IX). Alle Tagebuchbände mit goldgeprägtem, orangefarbenem Rückenschild mit Nummerierung am Fuß des Rückens. Grüner Leinenband d. Zeit (Reisetagebuch). Kapitale gering berieben, ansonsten sehr schön.
Joseph Karl Krütli (1815 Luzern – 1867 Bern), studierte in Jena 1836–1838 Staatswissenschaften und Geschichte und 1839 Rechtswissenschaften in Heidelberg. 1843 heiratete er Julia Niesmann aus Hildesheim in Niedersachsen. Er war zunächst Staatsarchivar in Luzern und dann ab 1856 Archivar am Bundesarchiv in Bern; 1861 übernahm er die Leitung des Archivs und damit der „Amtlichen Sammlung der älteren eidgenössischen Abschiede“, welche auf Anordnung der Bundesbehörden im Druck veröffentlicht werden sollten. Bis 1867 erschienen insgesamt sechs gedruckte voluminöse Bände mit diesen Dokumenten (ADB XVII, 274–275). Interessantes Manuskript, das insbesondere in den ersten sechs Bänden einen mal mehr, mal weniger intimen Einblick in das Studentenleben in der Mitte des 19. Jahrhunderts liefert. Band III enthält eine Auflistung von Krütlis Besitztümern unter dem Datum Juni 1838, darunter Kleider, Bilder, Necessaria aber auch eine für einen Studenten recht umfangreiche Sammlung von Büchern, Manuskripten und Karten. Band IV mit einer weiteren Auflistung seiner Mobilien, datiert Juni 1839, die einen deutlichen Zuwachs seiner Büchersammlung verzeichnet. Band VI mit einer detaillierten und umfangreichen, 96-seitigen Schilderung einer Reise von Luzern nach Hildesheim zu seiner Verlobten im Jahr 1841 und nach kurzem Aufenthalt wieder retour mit eigenem Titel „Skizzen meiner Reise von Luzern nach Hildesheim … (und) nach Luzern zurück. 17 Juli bis 4. September 1841“. Band VII enthält die Schilderung seiner Hochzeitsreise im Jahr 1843 auf 84 Seiten mit eigenem Titel „Bearbeitung meiner Reiseskizzen, gemacht während meiner Hochzeitsreise vom 6. April bis 3. Juni“. Wie bei allen seinen Reiseschilderungen werden auch hier alle Städte und Dörfer, die er auf seiner Reise berührte, namentlich erwähnt, die Zahl der zurückgelegten Meilen wird zusammen mit den Ausgaben akribisch notiert. Das separate Reisetagebuch schildert seine Reise als junger Mann und angehender Student nach Jena, seinem künftigen Studienort, im Oktober 1836 von Luzern über Olten, nach Freiburg, Offenburg, Karlsruhe, Waghäusel, weiter über Mannheim, Darmstadt, Frankfurt, Gelnhausen, Hünfeld, Eisenach nach Camstätt und schließlich Jena. Sehr gut erhaltenes, frisches Exemplar. – Beiliegend zwei Fotografien, Albumine im Carte-de-visite-Format, der Berner Fotografen M. Vollenweider und Corrodi mit Porträtaufnahmen von Joseph Karl Krütli und seiner Frau Julia Krütli.

Preis: 3000,- EUR

 

Napiersche Rechenstäbchen. Vollständiger Satz mit Textbeilage in originaler, bemalter Holzschachtel, „Neperische Rechnungstäfelein. No. 951“. Deutschland, vielleicht Nürnberg, um 1765. 33 kolorierte Täfelchen und 4 Seiten Gebrauchsanweisung. In bemalter Holzschachtel mit Schiebedeckel mit handschriftlichem Deckeltitel und kleiner Illustration. Ca. 110 x 120 x 25 mm.
Die „Napierschen Rechenstäbchen“ wurden von dem schottischen Mathematiker John Napier am Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelt und 1617 in seinem Werk „Rabdologiae seu numerationis per virgulas libri duo“ beschrieben. Mit ihrer Hilfe können Multiplikationen und Divisionen durchgeführt, aber auch Quadrat- und Kubikwurzeln gezogen werden. Sie werden auch „Nepersche Stäbchen“ oder „Neperianische Rechenstäblein“ genannt. Wilhelm Schickard baute 1623 die erste Rechenmaschine (von ihm Rechenuhr genannt), um astronomische Rechnungen zu erleichtern. Die Maschine beherrschte das Addieren und Subtrahieren von bis zu sechsstelligen Zahlen, einen „Speicherüberlauf“ signalisierte sie durch das Läuten einer Glocke. Um komplexere Berechnungen (Multiplikation, Division) zu ermöglichen, waren Napiersche Rechenstäbchen in Form von Zylindern darauf angebracht. Unser Kästchen enthält 33 kolorierte Rechentäfelchen (dreimal von 0 bis 9 nummeriert und dazu drei Funktionstafeln) auf starkem Karton und ein vierseitiges Heftchen „Gebrauch dieser Rechenstäbe“. Von zeitgenössischer Hand ist auf der ersten Seite oben vermerkt „N[ota] B[ene] Wo Rechenstäbe steht, lese man Rechenblättchen“. Am Schluss findet sich ein gedruckter Hinweis, der zur Datierung des vorliegenden Kästchens hilfreich ist: „Wer Exempel dieser Rechnungen aufsuchen will, kann sie finden in Joh. Christ. Sturms, Mathesis Iuvenilis. Tom I. 8 [= octavo]. Nürnb. 1702. Sammlung 101 Kunst. 5te Samml. 8. ib[idem]. 1760. Leupolds, Theatrum Arithmeticum fol[io]. Leipz. 1727. Martii, Europäischer Ingenier. Quer 8. Nürnb. 1754. Eine Vermehrung dieser Rechnungsstäbe, zu Geld und Gewichtsrechnungen dienlich nur auf 2 Stäben, ist besonders nebst Gebrauchsnachricht vor Gggr. [= gute Groschen] zu haben.“ Die Häufung der Verweise auf in Nürnberg gedruckte Werke lässt vermuten, dass unser Schächtelchen auch in Nürnberg hergestellt wurde. Bestens erhalten und – zumal komplett – von allergrößter Seltenheit.

Preis: 8500,- EUR

 

 

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